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7 Stimmen für den Wandel - Wie Veränderung möglich wird

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Was können Menschen tun für eine sinnvolle gesellschaftliche und politische Veränderung? Der Wille gegen Missstände aufzustehen ist groß, aber ebenso groß sind die Blockaden. Was lähmt den friedlichen Protest und was braucht es, damit aus Frust endlich Bewegung wird? Die Journalistin Elsa Mittmannsgruber von AUF1 fand durch Befragungen Antworten, die bei Umsetzung aus der Resignation wieder ins Leben führen können. Sehen Sie den Zusammenschnitt der AUF1-Sendung mit geballter Fachkompetenz hochkarätiger Experten.

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Sieben Stimmen für den Wandel – Wie Veränderung möglich wird
https://auf1.tv/elsa-auf1/sieben-stimmen-fuer-den-wandel-wie-veraenderung-moeglich-wird

[WURDEN WIR ZU SKLAVEN ERZOGEN?]

[Dr. Hans-Joachim Maaz] Die Herrschaft über die Kinderstube ist das größte politische Anliegen, um über Menschen, die dann erwachsen werden, herrschen zu können.

[KÖNNEN WIR DIE MENSCHEN ZUM AUFWACHEN ZWINGEN?]

[Prof. Michael Meyen] Wie muss ich meine Botschaft gestalten, damit die Menschen mitmachen? Meine erste Antwort ist immer, vergesst das. Ihr kriegt die Menschen nicht über die Botschaften. Die müssen durch eine eigene Erfahrung gehen. Die müssen selber Schmerz erleben.

[AUF DER SUCHE NACH ANTWORTEN]

[Prof. Ulrike Guérot] Spaltung ist ein Prinzip, damit Protestbewegungen genau das nicht erreichen, nämlich sich um eine Person zu bündeln und den Protest mehrheitsfähig und regierungsfähig zu machen.

[WIR TREFFEN WAHRE FACHLEUTE]

[Dr. Roman Braun] Je mehr Leute den Blick gerichtet haben auf die wesentlichen Konflikte, desto weniger wird in diesen Kleinkriegen an Energie verbraten und Leid angerichtet.

[EINE WENDE IST MÖGLICH]

[Prof. David Engels] Das kann eigentlich relativ schnell und sogar bruchlos gehen, indem sich hier und da eben einige Menschen zusammenschließen […]

Einem Freund empfehlen

[SIEBEN STIMMEN FÜR DEN WANDEL – WIE VERÄNDERUNG MÖGLICH WIRD]

[A-WEF = Alternative Western Ethics Formation]

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Veränderung beginnt mit einer einfachen Frage. Was können wir tun? Genau diese Frage stand im Zentrum des Freiheitsbarometers 2025, das ich gemeinsam mit dem A-WEF durchgeführt habe.

Eine Online-Befragung, an der mehr als unglaubliche 22.000 Menschen teilgenommen haben. 22.000 Menschen, die eine klare Antwort gegeben haben. Sie haben genug. Genug von politischer Bevormundung, genug von medialer Manipulation, genug von einer ausgehöhlten Demokratie. Der Wille, dagegen aufzustehen, ist groß, aber ebenso groß sind die Blockaden.

Wir wollen es wirklich wissen. Was lähmt den friedlichen Protest und was braucht es, damit aus Frust endlich Bewegung wird?

Also habe ich mich weiter auf die Suche gemacht und ich habe Antworten gefunden. Liebe Zuseher, Sie hören nun geballte Fachkompetenz. Die Essenz von mehr als 10 Stunden Gesprächsmaterial mit sieben renommierten Akademikern. Vom Historiker über den Psychoanalytiker bis hin zum Kommunikationswissenschaftler.

Hochkarätige Experten in ihrem Fach, die unsere zentralen Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten:

Sieben mutige Menschen, die unbequeme Fragen stellen und genauso unbequeme Antworten geben. Die hinterfragen und die selbst für Veränderung einstehen. Sie erheben ihre Stimme. Und gemeinsam haben wir in tiefgehenden Gesprächen erarbeitet, wie es gelingen kann, all unsere Kräfte für eine bessere Zukunft zu bündeln. Wie wir gemeinsam stark sein können gegen Spaltung, Korruption, Lügen und Propaganda, gegen Tyrannei und Krieg. Und für Frieden, Freiheit, Menschlichkeit und Aufrichtigkeit.

Auch wenn wir nicht überall der gleichen Meinung sind, gibt es gemeinsame Ziele, die uns verbinden.

Und genau so wird es auch Ihnen gehen, liebe Zuseher. Denn auch Sie haben eingeschaltet, um zu erfahren, wie aus Unzufriedenheit Wandel werden kann. Welche Hürden es gibt, welche Chancen und was Sie selbst dazu beitragen können.
Und ich kann Ihnen sagen: Wenn Sie sich diese Fragen stellen, dann ist bereits ein erster großer Schritt getan. Denn Veränderung beginnt bei einem selbst. Der Einzelne ist weit mächtiger, als er oft selbst von sich denkt.

[Dr. Hans-Joachim Maaz] Die Herrschaft über die Kinderstube ist das größte politische Anliegen, um über Menschen, die dann erwachsen werden, herrschen zu können. Die meisten Menschen werden von sich selbst entfremdet. Durch eben Erziehung, durch Beziehungsfehler, dass sie nicht so werden können, wie sie angelegt sind, wie sie sich entwickeln möchten, sondern wie sie werden müssen. Schließlich aber gelingt es den meisten Kindern, sich den Erwartungen anzupassen.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Anpassung als Überlebensstrategie, so beschreibt es Dr. Hans-Joachim Maaz. Etwas, das viele Menschen sehr früh lernen. Wer Erwartungen erfüllt, bekommt Anerkennung. Wer sich anpasst, fällt nicht auf. Und oft wird man dafür sogar belohnt. Dieses Muster kann lange funktionieren. Manche kommen damit gut durchs Leben. Problematisch wird es dann, wenn sich etwas verändert. Wenn die Welt unsicherer wird, wenn alte Regeln nicht mehr greifen. Wenn gesellschaftliche Umbrüche das eigene Weltbild erschüttern. Wenn sich das alte Anpassungsverhalten nicht mehr richtig anfühlt. Dann, dann kann es zur Krise kommen. An diesem Punkt müsste eigentlich etwas passieren. Man müsste nach innen schauen, sich ehrlich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen. Doch genau das vermeiden viele, weil es weh tut. Weil es alles in Frage stellt, worauf das eigene Leben aufgebaut wurde.

Statt etwas zu verändern, bleiben viele angepasst - auch als Erwachsene. Selbst dann, wenn sie längst spüren, dass sie unzufrieden sind. Aus seiner therapeutischen Arbeit berichtet Dr. Maaz, dass manche Menschen sogar krank werden, weil sie sich über Jahre verbogen und selbst belogen haben.

Und jetzt kommt etwas, das viele vielleicht kennen. Wenn Menschen beginnen, dieses Muster zu lösen, geht es ihnen innerlich oft besser. Aber im Außen wird es schwieriger. Beziehungen verändern sich. Es entstehen Spannungen. Das ist allgemein sehr oft der Preis, den man zahlt, wenn man beginnt, klar zu sehen. Etwas, das viele, der heute aufgewachten, kritischen Menschen am eigenen Leib erfahren mussten.

Und dieser Konflikt, der betrifft nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder. Denn was passiert, wenn Eltern versuchen, ihren Kindern ehrlich zu begegnen, wenn sie sie ermutigen, sie selbst zu sein und die Dinge kritisch zu hinterfragen? Dann geraten diese Kinder oft in einen Konflikt, sagt Hans-Joachim Maaz. Einen Konflikt zwischen dem, was sie zu Hause erleben und dem, was Schule und Gesellschaft von ihnen erwartet.

[Dr. Hans-Joachim Maaz] Wir haben im Grunde genommen als Eltern nur die Chance, unsere Kinder so zu erziehen, dass sie in eine gestörte, in eine normopathische Gesellschaft passen oder wir behandeln sie menschlicher, ehrlicher, offener. Dann haben die Kinder ein großes Problem, in einer normopathischen Gesellschaft auch entsprechend Erfolg zu haben.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Das ist ein harter Befund. Eltern stehen vor einem Dilemma. Passen sie ihre Kinder an, haben sie bessere Chancen, mit dem System mitzuhalten. Erziehen sie ihre Kinder offen, ehrlich und kritisch, wird es für sie oft schwerer. Schwerer in einer Schule, schwerer in der Gesellschaft. Ein tragischer Widerspruch und einer, den es zu diskutieren gilt. Vor allem, wie Eltern wirklich mit diesem Zwiespalt umgehen sollten, um letztlich eine freie Gesellschaft zu erreichen. Ob die Lösung wirklich darin liegt, die Kinder zu Unehrlichkeit und Schauspielerei zu erziehen, wage ich für meinen Teil jedenfalls zu bezweifeln.

Wir sehen also, die Wurzel des Übels, der Angepasstheit, der Untertänigkeit und der Unfähigkeit, für sein Recht einzustehen, liegt oft bereits in der Kindheit und Jugend. Wer nie gelernt hat, für sich einzustehen, tut sich auch als Erwachsener schwer damit. Das alles aufzulösen ist entscheidend, wenn wir eine aufgeklärte, mündige und eigenverantwortliche Gesellschaft wollen. Es ist aber nichts, das von heute auf morgen möglich ist. Was aber hingegen sofort verändert werden kann, ist unser eigenes Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen. Jetzt gleich. Und damit kommen wir zu einem weiteren großen Thema.

[SPALTUNG ÜBERWINDEN]

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] All jene, denen es gelungen ist, aus der Angepasstheit auszubrechen und selbstständig, eigenverantwortlich und mutig durchs Leben zu gehen, tragen ein großes Geschenk in sich. Klarheit, Mut, Eigenverantwortung, die Fähigkeit zu hinterfragen und für sich selbst einzustehen. Mit diesem Geschenk können sie auch anderen helfen, jenen, die noch nicht aus ihrer Haut können, es vielleicht aber wollen. Doch dafür braucht es Gemeinschaft, Austausch, Unterstützung, Netzwerke. Denn wie es so treffend heißt, nur gemeinsam sind wir stark. Und ja, genau so ist es. Allein bleibt man oft stehen.

Das Freiheitsbarometer 2025 zeigt, dass sich viele Menschen allein fühlen. Sie würden sich gerne stärker engagieren, doch es fehlt ihnen an Gemeinschaft und Zusammenhalt. Und die Umfrage zeigt auch deutlich, dass viele Folgendes erkennen. Die Spaltung, bewusst von Medien und Politik vorangetrieben, verhindert eine gemeinsame Schlagkraft für gemeinsame Ziele.

Auch für die Politikwissenschaftlerin und Demokratieforscherin Professor Ulrike Guérot ist klar.

[Prof. Ulrike Guérot] Spaltung ist ein Prinzip, damit Protestbewegungen genau das nicht erreichen, nämlich sich um eine Person zu bündeln und den Protest mehrheitsfähig und regierungsfähig zu machen.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Spaltung ist kein Zufall. Sie ist ein altes Herrschaftsprinzip: teile und herrsche. Etwas, das seit mehreren Jahrtausenden angewandt wird. Heute heißt es links gegen rechts, geimpft gegen ungeimpft, Frau gegen Mann. Überall wird sie angesetzt, die Spaltung, das Gegeneinander. Die führende Politik und ihre Medien säen Zwietracht, hetzen gegeneinander auf, arbeiten mit Kontaktschuld, teilen in Gute und Schlechte. Höchstwahrscheinlich genau deshalb, damit sich das Volk nicht vereint, gemeinsam stark sein kann für höhere Ziele, die die vielen eigentlich verbinden würden. Frieden, Freiheit, eine gerechte Welt, ein gutes Leben für alle.

Um daran gemeinsam zu arbeiten, bräuchte es einen Dialog, der aber verhindert wird. Stattdessen werden wir in kleine Grabenkämpfe verwickelt, sagt der Kommunikationsexperte und Psychologe Dr. Roman Braun. Ihm nach sollen dort, in diesen Grabenkämpfen, all unsere Kräfte verpuffen. Wir sollen abgelenkt werden, während die wahren Machenschaften, die uns wirklich schaden, im Hintergrund passieren.

Wenn Menschen erkennen, dass der Gegner nicht der andere Bürger ist, sondern die Mechanismen dahinter, dann verändert sich etwas. Dann wird wieder Raum frei für echtes Handeln. Spaltung schwächt. Das zeigt sich nicht nur heute, sondern auch in der Geschichte.

Der Historiker und Philosoph Professor David Engels weist darauf hin, dass Widerstand immer Gemeinschaft braucht. Ohne ein gemeinsames Wir bleibt Protest wirkungslos. Er spricht von Bürgerrevolutionen aus vergangenen Zeiten, die es heute in der Form kaum mehr geben wird, weil …

[Prof. David Engels] Solche Elemente des Widerstands, der Revolution, bedürfen natürlich auch einer entsprechend solidarischen Bürgergemeinschaft oder Volksmasse, oder wie auch immer Sie das nennen wollen.

Das andere Problem ist aber auch, dass eben dieses Volk meistens in Europa sich ja in sich selbst nicht mehr wiedererkennt, weil es eben durch Identitätspolitik und Migration auch dermaßen aufgesplittert ist, dass auch keine natürliche Solidarität mehr besteht.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Wenn Menschen sich nicht mehr verbunden fühlen, wird es schwer, gemeinsam für etwas einzustehen. Wenn jeder nur noch für sich kämpft, fehlt die Kraft für Veränderung. Und genau das erleben wir heute oft.

[EINE FRAGE DER WERTE …]

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Werte sind das, was Gesellschaften zusammenhält, was sie gemeinsam stark macht und verbindet. Werte sind auch das, was Menschen trägt, was ihnen Orientierung gibt und was sie bereit macht, auch etwas zu riskieren. Professor Engels sagt klar: Ohne höhere Werte, die über das eigene Leben und das persönliche Glück hinausweisen, wird kaum jemand für Ziele wie Frieden, Freiheit oder Gerechtigkeit eintreten. Zumindest, solange er nicht unmittelbar selbst betroffen ist. Darin sieht er derzeit ein zentrales Problem, wenn es um den Protest gegen aktuelles Unrecht geht. Viele Menschen lebten noch zu komfortabel, um ihre Komfortzone zu verlassen, und zwar dann, wenn das eigene Wohlbefinden als höchstes Gut gilt. Gerade dann fehle die Bereitschaft, es für übergeordnete Ziele zu riskieren. Für den Christen Professor Engels liegt die Ursache dieses Mangels vor allem im fehlenden Glauben.

[Prof. David Engels] Das Problem ist, dass in einer Gesellschaft, in der keine wirklich absolute Wahrheit mehr gilt und in der das eigene Leben eigentlich sehr materialistisch gesehen wird, in der nicht mehr an eine Wahrheit, nicht mehr an Gott, nicht mehr an ein Jenseits, nicht mehr an Absolutes geglaubt wird, sondern man eigentlich nur noch sein eigenes kleines hiesiges Leben als das Wichtigste und Absolute setzt. In einer solchen Situation haben wir natürlich wenig Gründe, tatsächlich auf die Straße zu gehen, etwas zu opfern, Komfort zu opfern, vielleicht das eigene Leben zu opfern für einen höheren Sinn.

Da kann natürlich ein ungerechtes Regime schon ziemlich weit treiben, bevor die Leute auf die Straße gehen. Zudem gleichzeitig auch noch die Solidarität der Menschen aufgebrochen worden ist, durch Massenmigration, durch Identitätspolitik, durch Familienzerfall. Selbst die Familie ist ja mittlerweile aufgesplittert. Das heißt, es ist eigentlich, jedenfalls seitens der Europäer, nur noch sehr weniges da, für das es sich irgendwie zu kämpfen lohnt.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Solange das eigene Leben halbwegs bequem ist, bleibt man oft sitzen. Komfort macht ruhig. Und genau das ist Teil des Problems. Professor Engels rückt den Glauben an Gott ins Zentrum, wenn er von höheren Werten spricht. Menschen können jedoch selbstverständlich auch von anderen, übergeordneten Werten getragen werden, die sie motivieren und ihnen Kraft geben.

Entscheidend ist, dass wir unsere Komfortzone nur dann verlassen, wenn wir auf dieser Welt mehr bewirken wollen, als lediglich das eigene Glück zu maximieren. Der Sozialwissenschaftler Günter Roth verweist auf einen ähnlichen Kern. Nüchtern formuliert er: Wer nur abwägt, ob sich Protest lohnt, wird selten aktiv. Viele würden aber genau das tun. Sie entscheiden aus einer reinen Kosten-Nutzen-Analyse heraus, ob sie aktiv werden. Und da ist es oft lohnender, stillzuhalten.

[Prof. Günter Roth] Und es ist auch so, das kennt man ja auch aus Experimenten zum Hilfeverhalten: Je mehr Leute zuschauen, je mehr Leute ein Problem oder einen Unfall sehen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand hilft. Desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle auf die anderen warten. Es ist leider so, dass wir eben übersättigt sind und wir leben ja auch in einer extrem wohlhabenden Gesellschaft.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Viele arrangieren sich. Andere ziehen sich zurück. Wieder andere wandern aus. Protest wird verschoben oder ganz aufgegeben.

Auch die Politikwissenschaftlerin Professor Ulrike Guérot sieht darin ein großes Problem. Sie spricht von Rückzug und Flucht als maßgebliches Problem, wenn es um die Frage geht: Wer steht eigentlich auf?

[Prof. Ulrike Guérot] Ich glaube, das größere Problem anstatt Protest und der Wirklosigkeit des Protestes ist fast noch diese Tendenz zur Privatisierung. Ich bin erschöpft, ich kann nicht mehr, das nützt alles nichts mehr. Wir kommen nirgendwo mehr hin.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Ja, viele Menschen sind entmutigt. Viele wandern aus, aus Angst vor dem, was kommt. Andere verlagern ihren Protest ins Ausland, weil sie im eigenen Land persönliche Konsequenzen fürchten. Diese Angst vor individuellen Nachteilen hält generell viele davon ab, sich in irgendeiner Form öffentlich zu äußern oder zu engagieren. Ein Problem, das ebenfalls der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen anspricht.

Mayen formuliert es klar. Es wird gelabelt. Es wird ein Etikett auf diejenigen geklebt, die Protest ausüben oder einfach nur kritisch hinterfragen. Sie werden schlecht gemacht und sie werden klein gemacht. Damit wir folgende Wahrheit nicht herausfinden:

[WIR SIND VIELE]

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Ja genau, wir sind viele. Viel mehr als wir denken. Denn diejenigen, die gegen Unrecht aufstehen, die warnen und Lügen aufzeigen, werden gezielt klein gehalten. Dadurch erscheint ihre Zahl geringer, ihr Einfluss schwächer und ihr Wert niedriger, als er tatsächlich ist. Diese Wahrnehmung entspricht jedoch weniger der Realität, als vielmehr dem Ergebnis erfolgreicher Propaganda. Besonders junge Menschen lassen sich davon abschrecken. Jene, die noch viel zu verlieren haben und deshalb davor zurückschrecken, sich auf die Seite der Schwurbler oder Rechtsextremen oder was es sonst noch für Bezeichnungen gibt, auf jene Seite zu schlagen. Der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen stellt klar: Protestpotenzial gibt es. Es ist auch nicht klein, aber es ist ungleich verteilt.

[Prof. Michael Meyen] Wir wissen ja ungefähr, dass dieses Protestpotenzial ein Drittel der Bevölkerung ist. Wir wissen auch, wo dieses Protestpotenzial sitzt oder wohnt. Es ist eher eine ältere Klientel, eine eher ländliche Klientel. Eher keine erfolgreichen Unternehmer. Niemand, der noch darauf angewiesen ist, vom Staat irgendwas geschenkt zu bekommen.

Junge Leute riskieren im Zweifel alles. Das wissen wir aus der Revolutionsgeschichte. Es waren immer junge Leute, die den Wandel gebracht haben, weil die bereit waren, für ein noch sehr langes Leben sehr viel zu riskieren. Das ist bei Älteren schon schwieriger. Es ist auf dem Lande sehr viel schwieriger. Es ist vor allem deshalb schwierig, wenn man weiß, dass die Macht – da wo darüber bestimmt wird, wie Wirklichkeit zu interpretieren ist – dass die Macht heute in den Universitätsstädten ist, in den großen Städten liegt und eben nicht da, wo eher Protestpotenzial ist.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Und dazu käme noch, dass die Umdeutung der Geschichte die jungen Menschen entmutigen würde.

[Prof. Michael Meyen] Wenn man in die Vergangenheit schaut, dann sehen wir, dass alles, was vor 1933 war, mittlerweile als Vorgeschichte des Nationalsozialismus der dunklen deutschen Vergangenheit gelabelt wird. Das macht es schwer, sich auf positive Dinge aus den Jahrhunderten, den Jahren davor zu beziehen. Den Deutschen wird zum Beispiel immer wieder eingeredet, dass Revolution so und so und so nichts bringt. Jede Revolution in Deutschland ist gescheitert.

Stimmt überhaupt nicht, wenn man sich die Dinge genauer anschaut. Wenn man sich die 1848er-Revolution anschaut in der Langzeitwirkung, wenn man sich die 1918er-Revolution anschaut, den Matrosenaufstand; wenn man sich die 89er-Revolution in der DDR anschaut. In der Erzählung, in den Narrativen über diese Revolution werden die wichtigen Dinge aber unterschlagen. Wenn mir nicht erzählt wird, dass die Revolutionen im ersten Moment scheinbar gescheitert sind, weil die Revolutionäre nicht bereit waren, zum letzten Mittel zu greifen – nämlich ihre Gegner einfach umzubringen – sondern auf Verhandlungen, auf normales menschliches Zusammensein gesetzt haben. Wenn mir das nicht erzählt wird, dann verstehe ich nicht, warum die 1848er Revolutionäre entweder tot waren oder halt nach Amerika geflohen sind oder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Und dann kommt noch etwas dazu. Den Menschen wird erzählt, sie seien allein Teil einer verrückten Minderheit. Das funktioniert, indem Protest schlicht nicht gezeigt wird. So wird verhindert, dass sich andere anschließen. Und ebenso, dass ein öffentlicher Diskurs über die kritisierten Themen überhaupt entsteht. Für die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot ist deshalb klar: Protest kann nur wirken, wenn er sichtbar ist. Genau das sei jedoch oft nicht der Fall. Vor allem dann nicht, wenn Protest dem herrschenden Regime missfällt. Es läge also oft nicht daran, dass es zu wenig Protest gebe. Das Problem läge vor allem woanders.

[Prof. Ulrike Guérot] Das heißt, ich finde, wir haben eigentlich sehr viel Protest. Das Problem ist, dass der Protest nirgendwo hinführt. Der Protest scheint sich nicht irgendwie zu artikulieren, dass Gesetzgebung geändert wird, dass Rücktritte erfolgen, dass Vertrauen wiederhergestellt wird. Also dass irgendwie Maßnahmen gezogen werden, wo die Leute dann auch sehen: Der Protest hat etwas gefruchtet.

Das heißt, meine Frage ist nicht, ob wir genug demonstrieren. Meine Frage ist: Wo bleibt der Protest? Das ist meine erste Frage. Und der scheint nirgendwo mehr hinzuführen.

Und die zweite Frage ist: Welcher Protest ist heute der gute Protest? Denn wir haben ja im Grunde eine Meinungslandschaft, die im Grunde gespalten ist. Und insofern unterscheiden wir ja auch schon Protest in gut oder in schlecht.

Also wenn wir zum Beispiel Protest haben wie letztes Jahr – alle gegen rechts – dann ist das guter Protest. Der wird überall gezeigt, in allen Medien.

Wenn aber, wie vor kurzem in Den Haag zum Beispiel, wirklich sehr, sehr große Proteste waren gegen Gaza, gegen den Völkermord im Gazastreifen, dann wird das nicht gezeigt. Wir haben auch die Frage: Welcher Protest wird gezeigt?

Wir haben in den letzten Jahren eine Situation, wo der Protest als Störung der öffentlichen Ordnung, auch in Gesetzen sozusagen verboten wird. Und das deswegen dazu führt, dass der Protest immer stiller wird.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Ähnlich wie beim Protest verhält es sich auch in der Wissenschaft, jenem Bereich, in dem Wissen entsteht. Wissen, auf dessen Grundlage Politik, Medizin und letztlich die gesamte Gesellschaft Entscheidungen treffen. Doch auch hier werden nur bestimmte Narrative zugelassen. Abweichende Forschungsansätze werden nicht selten durch Framings wie rechtsextrem oder unseriös diskreditiert und so von vornherein unglaubwürdig gemacht.

[Prof. Anke Uhlenwinkel] Es gibt aber Kollegen auch hier, die sagen, nee, wir brauchen das Kontroversitätsgebot bei manchen Sachen nicht mehr, z. B. beim Klimawandel, ja. Und das fand ich ganz interessant, weil dieser Kollege beim Klimawandel dann gesagt hat, er möchte sich gerne erst mal sachanalytisch das angucken, um zu zeigen, dass das gar nicht kontrovers ist. So, jetzt habe ich, naiv wie ich bin, ich habe gedacht: Okay, der wird jetzt irgendwelche Klimadaten oder Klimazusammenhänge da darstellen. Hat er aber gar nicht. Er hat eine Studie genommen, die zeigt, dass in Europa Klimawandel hauptsächlich von rechtsradikalen oder rechtsextremen Parteien sozusagen in Frage gestellt wird. Und deswegen, weil die seien ja verfassungswidrig, müsste man das nicht behandeln. Also wenn so was als wissenschaftliche Aussage auch nur irgendwie ernst genommen wird, dann haben wir ein echtes Problem.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Viele halten sich zurück. Viele sagen lieber nichts. Aus verschiedensten Gründen: Das kann Vorsicht sein, oder aus Angst oder aus Unsicherheit, oder einfach aus einem Mangel an Möglichkeiten. Ulrike Guérot sieht das ganz ähnlich. Auch sie sagt, so geht es nicht weiter. Protest muss lauter werden. Und er muss größer werden. Denn nur dann hätten wir eine Chance, dass er auch gesehen wird.

[Prof. Ulrike Guérot] Das heißt, worüber wir reden, ist, dass Bürger einem Unmut Ausdruck geben wollen, und dass dieser Unmut sich übersetzt in eine politische Änderung. Und das passiert einfach nicht mehr. Weder über Online-Protest noch über analogen Protest. Jetzt ist die Frage, ob das dann noch die richtige Protestform ist. Die Antwort ist eigentlich nein. Und die Frage wäre: Wo könnte man den Protest denn dann ansetzen?

Natürlich könnten andere radikale Protestformen funktionieren. Ich sage jetzt mal Generalstreik. Zum Beispiel, dass wir nicht in den Krieg gehen wollen.

Andere Protestformen könnten natürlich sein, dass man sich sozusagen auf der individuellen Ebene den Dingen entzieht. Da kann ich nur sagen, sie sind halt sehr aufwendig. Man muss sehr engagiert sein. Man muss sehr viel recherchieren, um zu sagen: Ich mache da nicht mit, das zahle ich nicht. Da gehe ich nicht mehr hin. Keine Ahnung, ich kaufe nicht bei Amazon. Ich zahle nur noch mit Bargeld. Also das kann man natürlich alles machen. Und das sind sehr konkrete persönliche Verweigerungsstrategien.

Aber die Frage ist dann tatsächlich, wie lange Sie das durchhalten.

Insofern sind das, glaube ich, die Protestformen: Demonstrationen, Generalstreik, individueller Protest im Kleinen.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Wie kann es gelingen, möglichst viele Menschen zum Mitmachen zu bewegen? Viele glauben, es müsste nur die richtige Botschaft richtig kommuniziert werden, dass die mangelnde Bereitschaft zur Teilhabe, also vor allem ein Kommunikationsproblem sei. Fehlanzeige, sagt da Michael Meyen. Es ginge um etwas ganz anderes.

[Prof. Michael Meyen] Das ist eine Frage, die an mich als Medienforscher fast immer als allererstes herangetragen wird. Wie muss ich meine Botschaft gestalten, damit die Menschen mitmachen? Meine erste Antwort ist immer: Vergesst das. Ihr kriegt die Menschen nicht über die Botschaften, die müssen durch eine eigene Erfahrung gehen. Die müssen selber Schmerz erleben, die müssen mitbekommen, dass sich etwas ändern muss, damit es ihnen besser geht. Nur mit Kommunikationsbotschaften wird man Menschen nicht dazu bringen, Dinge zu tun, von denen man selber glaubt, dass sie getan werden müssen. Das ist ein Problem. Es ist auch deshalb ein Problem, weil wir wissen, dass der Lebenszyklus eine gewisse Zeit verlangt, bis man solche Erfahrungen machen kann. Bis man die Erfahrung macht, dass man an Wände stößt, dass es nicht mehr weitergeht. Ich habe in meiner Forschung immer auch gefragt, was dazu führt, dass der eine Mensch auf der Protestseite gelandet ist und der andere Mensch im Zweifel die Antifa finanziert oder bei Omas gegen Rechts steht oder solchen Gruppierungen. Und es ist immer eine Erfahrung, die sich beißt mit der Erzählung, die über die Staatsmedien oder über die anderen Bildungskanäle, Universitäten, Schulen, Volkshochschulen, Museen verbreitet wird. Es muss eine persönliche Erfahrung sein.

Das dauert vor allen Dingen, wenn man jung ist, wenn man noch reinkommen will. Ich würde junge Leute gar nicht verurteilen. Die müssen erst mal ein eigenes Leben aufbauen. Die müssen sich auch deshalb anpassen. Die müssen versuchen, in eine Position zu kommen. Und dann werden sie irgendwann die Erfahrung machen, dass es vielleicht auch für sie nicht weitergeht. Man muss da Geduld haben und weniger an dem Design der Botschaften feilen.

Diese Impfpflicht wäre was gewesen, was in den Körper gegangen wäre. Und da waren die Leute bereit, völlig unabhängig von der Kommunikation, jeden Montag – bei nicht guten Wetterbedingungen.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Es muss den Leuten also buchstäblich an den Kragen gehen, sagt Michael Meyen. Viel mehr, als dass es ein bisschen im Geldbörserl zwickt. Es muss wirklich etwas sein, was die eigene Existenz, das eigene Leben bedroht. Erst dann sind viele bereit, die Komfortzone zu verlassen. Das Problem daran ist nur, dann kann es oft bereits zu spät sein.

Auch David Engels zeigt sich skeptisch, wenn es um breiten Widerstand in der Bevölkerung geht. Die Bürger seien zu lethargisch. Viele wollten gar nicht aktiv mitgestalten, sondern ließen die Dinge lieber geschehen. Am Ende würden, so lehre es die Geschichte, erneut wenige über die Geschicke vieler entscheiden. Es setze sich letztlich wieder eine andere Elite durch, die den Wandel vorantreibe. Von der Vorstellung eines grundlegenden, basisdemokratischen Wandels im großen Maßstab müsse man sich nach Ansicht von Professor Engels verabschieden. Als Beispiel führt der Historiker ebenso die Coronazeit an. Anders als Michael Meyen jedoch als Negativbeispiel. David Engels sagt nämlich, insgesamt betrachtet sei das System mit seinem autoritären Vorgehen relativ gut durchgekommen. Auch wenn es Widerstand gegeben habe, sei dieser im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung begrenzt gewesen. Nur wenige hätten sich tatsächlich offen aufgelehnt.

Es heißt: Strategie schlägt Masse. Es geht nicht zwingend darum, immer mehr Menschen zu erreichen, oder immer neue zu motivieren. Viel wichtiger ist etwas anderes. Diejenigen, die heute schon bereit sind, für eine bessere Zukunft zu kämpfen, müssten sich besser zusammenschließen. Sie müssten eine klarere Strategie verfolgen und gemeinsam handlungsfähiger werden. David Engels widerspricht damit in einem Punkt klar der Sichtweise von Ulrike Guérot. Sie sagt: Protestbewegungen müssen größer werden und vor allem sichtbarer. Michael Meyen gibt hier jedoch zu bedenken, Menschen für Protest zu motivieren ist extrem schwer, vor allem über Botschaften. Entscheidend sei am Ende die eigene Erfahrung.

Wo liegen die Gemeinsamkeiten? Worauf können wir aufbauen? Der erste Punkt ist klar:

Veränderung beginnt bei uns selbst, beim einzelnen Menschen.
Viele Menschen haben jedoch nie gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Sie haben gelernt, Erwartungen zu erfüllen, Konflikte zu vermeiden, sich anzupassen.

Und trotzdem – in unseren Ländern schlummert ein großes Potenzial, denn es gibt sie. Menschen mit höheren Werten. Menschen, die selbstbestimmt leben, die Verantwortung übernehmen und die Brücken bauen.

Und hier bin ich bei David Engels. Wir brauchen nicht die Masse. Es fehlt nicht an Menschen. Es fehlt an Verbindung. Veränderung beginnt nicht bei den Massen. Sie beginnt beim Einzelnen. Die Frage ist also: Was kann der Einzelne konkret tun? Hier und jetzt. Genau darum geht es nun im Ausblick.

[AUSBLICK: WAS TUN?]

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Viele Menschen wollen etwas tun. Der Wille ist da. Was oft fehlt, ist die Richtung. Die Frage lautet also im ersten Schritt nicht, wie bekommen wir mehr Menschen dazu, sich zu engagieren, sondern: Was können die konkret tun, die schon jetzt wollen? Das habe ich auch die zahlreichen Interviewpartner im Zuge dieser Dokumentation gefragt. Und es kamen dabei fünf konkrete Maßnahmen heraus, die jeder sofort umsetzen kann.

Maßnahme 1: Bildet Gemeinschaften und vernetzt euch

[Prof. Michael Meyen] Neben Geduld ist mein zweiter Rat tatsächlich Vernetzung. Das ist ein wichtiger Punkt. Die Milieus haben sich gefunden. Die Protestmilieus haben sich gefunden. Es gibt überall im deutschsprachigen Raum Gruppen, die sich regelmäßig treffen, die inhaltlich arbeiten, die zusammengekommen sind. Und sei es nur, weil sie sich mit Ernährung beschäftigen, weil sie überlegen, wie sie ihren Garten so gestalten können, dass sie sich selbst versorgen können. Diese Strukturen sind unbedingt am Leben zu halten, um bereit zu sein, wenn sich eine Gelegenheit ergibt, das umsetzen zu können, was für viele zentral ist, Demokratie mitbestimmen zu können über die Bedingungen, unter denen man lebt.

[Prof. David Engels] Was wir machen müssen deshalb, das ist von unten aufbauen. Das ist fundamental, dass wir eben nicht alle Karten auf die Politik setzen dürfen, sondern:
Wir müssen zuerst selbst diese resiliente bürgerliche Zivilgesellschaft von unten erst wieder mal aufbauen, die auch sich dagegen wehren kann.

Maßnahme 2: Sagt eure Meinung

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Die zweite konkrete Maßnahme, die jeder sofort umsetzen kann, ist: Sagt eure Meinung. Verbreitet Informationen und unterstützt unabhängige Medien, denn Information ist alles.

[Prof. Michael Meyen] Information ist der Schlüssel. Man muss sich ja dazu nur angucken, was die Gegenseite alles aufbietet, um Informationen zu kontrollieren. Wer heute definieren kann, wer heute bestimmen kann, was wir alle als Wirklichkeit wahrnehmen, der hat Macht, der kann herrschen.

Wir müssen also unseren Mitmenschen helfen, dass sie rauskommen aus den Blasen, die von der Bewusstseinsindustrie produziert worden sind, die auf vielfältige Weise ja unterstützt werden, wenn man sich diesen ganzen NGO-Komplex anschaut. Also Menschen, die aus Steuergeld dafür bezahlt werden, dass sie Botschaften verstärken, Botschaften unter die Leute bringen, die sie in den Staatsmedien finden. Wenn man sich das anschaut, dann ist das der Weg. Also wenn nicht gegengehalten wird, dann hat man keine Möglichkeit, in Freiheit leben zu können.

Ich fand ja sehr spannend, dass ‚laut seine Meinung sagen‘ eine wichtige Form des Protestes ist. Und das stimmt tatsächlich so. Wenn man die Kommunikationstheorie nimmt, vor allem die Theorie der Schweigespirale von Elisabeth Nolle-Neumann, dann ist das ein Mittel, um Prozesse der Vereinheitlichung aufzubrechen.

Diese Theorie der Schweigespirale sagt, dass der Mensch Isolationsangst hat, dass das unsere größte Sorge ist, ausgeschlossen zu werden aus dem Verband. Wenn Leitmedien über eine lange Zeit einheitlich berichten und ich anderer Meinung sein sollte, dann höre ich irgendwann auf nach dieser Theorie, mich öffentlich entsprechend zu äußern, weil ich Sorge haben muss, ausgeschlossen zu werden aus dem Verband.

Aber da draußen auf der Straße, da sehe ich ja Leute an Ständen stehen, die anderer Meinung sind. Ich höre – in der Kneipe habe ich doch plötzlich vom Nachbartisch was anderes gehört. Im Zugabteil haben sich Leute ganz anders unterhalten. Da saß jemand am Strand mit einem Kontrafunk-Handtuch. Also offenkundig gibt es ja doch gegenteilige Positionen.

Das ermuntert dann Menschen, die sich sonst nicht trauen würden, auch ihre Meinung zu sagen. Also das fand ich, finde ich sehr spannend, dass das offenbar erkannt worden ist von den Menschen, die sich an dieser Umfrage beteiligt haben.

Maßnahme 3: Eigene und gemeinsame Ziele definieren

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Die dritte konkrete Maßnahme wird leider oft übersehen. Dabei ist sie entscheidend. Auch wenn sie nicht einfach ist. Es geht darum, eigene und gemeinsame Ziele zu definieren. Denn wenn wir nicht wissen, wohin wir wollen, wofür wir kämpfen, und nicht immer nur wogegen, dann endet alles im Chaos. Ohne klare Ziele gibt es keine Strategie, keine Bündelung von Kräften und auch keine überzeugende Antwort für andere, die fragen, warum soll ich mitmachen? Wer nicht sagen kann, wofür er steht, kann auch niemanden mitnehmen.

[Dr. Roman Braun] Also es gibt so eine Schwelle vom Denken und Fühlen hin zum Handeln. Man sagt ja oft so, der Weg ist das Ziel, das stimmt fast. Also wir brauchen ein Ziel, um überhaupt eine Idee von einem Weg zu bekommen. Wenn ich das Ziel habe, weiß ich, ah, das ist der Weg.

Und wir brauchen dann den Weg, um Mut zum Aufbruch zu haben. Wir brauchen eine Idee des Weges. Ich komme also vom Ziel zum Weg und vom Weg komme ich zum Aufbruch. Und es gibt keinen Weg. Die Leute sehen keinen Weg. Also man sagt, man sucht einen Ausweg, ja? Dort sind wir. Also wir sind beim Suchen des Weges. Und wenn der Weg nicht klar ist, brauche ich den Aufbruch nicht. Brauche ich nicht aufstehen. Und die Frage ist auch, ob das Ziel klar ist.

[Prof. Günter Roth] Die Ziele müssen auch klar sein. Das ist auch ein wichtiger Punkt. Es muss ein leicht erreichbares – nicht leicht erreichbares, aber ein konkretes erreichbares Ziel sein. Nicht allgemein gegen Hunger oder Armut, sondern ganz konkret, ja.

Maßnahme 4: Sich selbst reflektieren

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Die vierte konkrete Maßnahme, die jeder Einzelne sofort umsetzen kann, ist eine, die sehr unbeliebt ist. Sich selbst zu reflektieren. Etwas, das viele nicht gerne hören. Ich weiß, es kommt sofort die Gegenreaktion. Was hat das Ganze denn mit mir zu tun?

[Dr. Hans-Joachim Maaz] Wenn ich damit anfange, bei mir nachzuschauen, was ist mein Anteil an dem Konflikt oder an dem Unglück, das ich erlebe, habe ich eigentlich die beste, aber vielleicht sogar nur die einzige Chance, etwas zu verändern. Also mit der Erkenntnis über meinen Anteil, über mich, habe ich eine Chance, auch mit mir etwas anders zu machen, mich zu verändern, mich zu entwickeln. Diese Macht habe ich im Grunde genommen über niemanden.

Maßnahme 5: Handeln

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Kommen wir nun noch zur fünften und abschließenden Maßnahme, die jeder sofort umsetzen kann. Und das ist handeln, ja, handeln. Egal was – aber beginnt damit. Denn durch das Tun selbst erfährt man Selbstwirksamkeit. Das Aktivwerden gibt Kraft und Hoffnung, weil wir sehen, wie die Dinge in Bewegung kommen. Wir sehen, dass wir als Einzelperson etwas bewirken können. Auch wenn es oft nur im Kleinen ist. Aber jeder Beitrag zählt. Auch wenn es nur darum geht, Vorbild zu sein.

[Prof. David Engels] Unsere Freiheit ist viel mehr als einmal alle vier oder fünf Jahre ein Kreuzchen in irgendeiner Wahlkabine zu machen. Unsere Freiheit liegt daran, dass wir in jedem Moment unseren Idealen entsprechend leben müssen mit allen Konsequenzen. Und das bedeutet letztlich Vorbild zu werden. Vorbild zu werden vor sich selbst. Vorbild zu werden vor seiner Familie. Vorbild zu werden vor seinem Umfeld. Jede Handlung eben so auszuüben, dass man sich morgens auch in den Spiegel blicken kann und sagen kann, ja, ich lebe meinen Idealen gemäß. Ja, diese Welt, in der ich lebe, ist vielleicht suboptimal. Sie ist vielleicht sogar dystopisch. Vielleicht riskiere ich vieles damit. Aber ich lebe diese Freiheit im einzelnen Leben.

Ich denke, erst wenn tatsächlich eine signifikante Zahl von Menschen überhaupt dazu kommt, selbst Vorbilder werden zu wollen, selbst im täglichen Leben das zu leben, was sie wollen, dass die gesamte Gesellschaft eines Tages wird, nur dann kann es vorangehen. Und das ist natürlich der wichtige Schritt.

Wir sollen sein, wer wir sind und so handeln, wie wir sind. Nicht, weil wir uns daraus irgendetwas erhoffen für die Geschichte oder die Politik im Generellen, sondern weil wir daran glauben. Und deshalb denke ich, dass auch diese Handhaltung Etiam si omnes ego non, auch wenn alle anderen etwas tun, werde ich es noch lange nicht tun, ist die Handlung oder ist die Haltung, die wir brauchen. Sich so zu verhalten, wie wir das wollen, aus Überzeugung. Und selbst wenn wir wissen, dass alles zum Scheitern verurteilt ist, selbst wenn wir wissen, dass wir die Einzigen sind, es trotzdem zu machen. Aus Überzeugung, weil es unser Weg ist, weil wir eben glauben, dass das Wichtige nicht irgendwie etwas ist, was mal in den Geschichtsbüchern steht.

Und wenn wir dann nun auch tatsächlich entsprechend Bürger haben und vor allen Dingen auch Politiker, die selbst Vorbilder sind, die das persönlich sind, was sie wollen, dass die Gesellschaft wird, dann ist tatsächlich Wandel möglich. Und da braucht es auch jetzt nicht der vielen Millionen. Oft genügt eine Persönlichkeit, die wirklich ein echtes Vorbild sein kann, wo viele Leute sich sagen können, so will ich eines Tages sein, dass Wandel möglich ist. Denken Sie allein ans Mittelalter.

Was haben Personen wie Bernard de Clairvaux oder der heilige Benedikt nicht alles bewirkt? Dadurch, dass sie aus eigener Kraft mal angefangen haben, ein Kloster zu gründen und daraus eigentlich die gesamte spirituelle Neugeburt des Abendlandes zu bewirken und deshalb auch Vorbilder zu sein für Generationen und Jahrhunderte von Leuten, die es eben auch so machen wollten. Da bedarf es nicht der Millionen Leute, die alle so werden. Da bedarf es oft nur einer Person oder einer kleinen Gruppe, um unglaublich viel zu verwandeln. Aber selbst das ist wie gesagt heute scheinbar sehr schwer möglich. Aber dahin müssen wir kommen. Das ist die Sache des Einzelnen.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Ja, der Einzelne kann unheimlich viel bewirken. Alleine nur dadurch, dass er ist, dass er wirkt, gesehen wird, mit anderen in Beziehung steht. Wir selbst können gar nicht erahnen, wie viel jeder Einzelne von uns in Wahrheit bewirkt. Wir wissen nicht, für wie viele Menschen wir in unserem Leben Vorbild geworden sind. Wie wenige Worte oft große Entwicklungen nach sich gezogen haben.

Ja, wir brauchen andere Menschen in unserem Leben. Aber nein, wir brauchen sie nicht zwingend, um die Welt zu verändern. Wir können jetzt damit beginnen. Nur für uns ganz allein.

[Prof. Ulrike Guèrot] Dann ist das David gegen Goliath. Wir wissen, dass David am Ende gewinnt.

[Mag. Elsa Mittmannsgruber] Ja, David gewinnt. Und wenn man sich die Geschichte von David und Goliath genau anschaut, dann können wir einige Parallelen zu unserer Zeit sehen. David hat nicht versucht, so zu kämpfen wie Goliath. Er hat keine Rüstung angezogen. Er hat kein Schwert genommen. Er ist nicht in den Nahkampf gegangen. David hat erkannt, auf diesem Feld würde er verlieren. Also hat er etwas anderes getan.

Er hat das genutzt, was er konnte, was er gewohnt war. Seine Schleuder, seine Beweglichkeit. Und er ist auf Abstand geblieben. Dann hat er den Moment genutzt, einen einzigen. Er hat gezielt auf die eine Stelle, an der Goliath verwundbar war. Und genau das hat den Unterschied gemacht. David hat nicht gezögert. Er hat nicht auf bessere Bedingungen gewartet. Er hat gehandelt, als sich die Gelegenheit geboten hat.

Und vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt für uns heute. Veränderung bedeutet nicht, nach den Regeln der Mächtigen zu spielen. Sie bedeutet, die eigenen Möglichkeiten zu erkennen, die eigenen Stärken und den Mut zu haben, sie einzusetzen, wenn der Moment da ist. Die Gelegenheit selbst können wir nicht erzwingen.

Aber wir können vorbereitet sein, klar, wach. Damit wir nicht zögern, wenn sie kommt.

[MIT GROSSEM DANK AN …]

Autor: doa.

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Quellen:

Creative Commons Lizenzen
https://www.creativecommons.org/licenses/

Sieben Stimmen für den Wandel – Wie Veränderung möglich wird
https://auf1.tv/elsa-auf1/sieben-stimmen-fuer-den-wandel-wie-veraenderung-moeglich-wird

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